Pressefreiheit!

Veröffentlicht am 06.02.2019 in Allgemein

Als Heranwachsender habe ich gelernt, Zeitung zu lesen. Beim „Volk“ – immerhin Vorläufer der „Thüringer Allgemeinen“ – und der „Jungen Welt“ konnte man Nachrichten lesen und erkennen, wenn man in der Lage war, sie aus dem Schwarz-Weiß, Gut-Böse Schema zu filtern.

Ich finde, freie Presse, die recherchiert und auch unbequeme Wahrheiten veröffentlicht, ist eine der großen Errungenschaften der Wende!

Das tröstet mich auch darüber hinweg, dass Herr Michael Baar, Lokalchef der TA in Weimar, mich nicht mag, seit ich vor 15 Jahren begonnen habe, politisch zu arbeiten. Ich kann damit leben, dass bei Artikeln und Mitteilungen oft die einzige Textänderung bei der Übernahme meiner Pressemitteilungen – so sie überhaupt beachtet werden – die Löschung meines Namens ist. Oder, dass, wenn ich im Gespräch etwas sage, was Herr Baar für zitierwürdig hält, es regelmäßig jemand anderem in den Mund gelegt wird. Geschenkt.

Andererseits hat mir ein Bekannter, der auch Herrn Baar lange kennt, vor einigen Tagen gesagt, er habe es nie für möglich gehalten, dass dieser die TA zur Peter-Kleine-Jubelpostille machen würde.

Die Rollen von Gut und Böse sind also verteilt und man kann es in den letzten Tagen in der Zeitung lesen. Dabei ist es mir relativ egal, dass Herr Baar uns als SPD für den Widerspruch gegen einen rechtswidrigen Beschluss des Stadtrats kritisiert. Hier wird eine andere Instanz entscheiden, ob man sich gegen Rechtsbruch wehren darf, wie wir es meinen, oder ob wir, laut Herrn Baar, „Pure Provokation“ üben. Unerheblich.

Was mich wirklich ärgert, ist die Geschichte der aus den Wohnungen entfernten Flüchtlinge. Man stelle sich vor, da wird eine junge Familie, die Frau im achten Monat schwanger, aus ihrer Wohnung mit der Begründung gedrängt, man habe etwas Kleineres, den Bedürfnissen einer Schwangeren Angemesseneres gefunden. Im Obdachlosenasyl!
Im kleinen Kreis angesprochen, verweigert der Oberbürgermeister das Gespräch, im Stadtrat angefragt, gibt er eine Falschauskunft. Wir liefern nach und anstatt den möglichen Skandal zu prüfen, zu recherchieren, sich ein selbständiges Urteil zu bilden – eben die Errungenschaften einer freien Presse im positiven Sinne auszukosten – ,veröffentlicht Herr Baar ungeprüft und kritiklos das Statement des Oberbürgermeisters.

Willkommen zurück in der Redaktion von „Das Volk“, Herr Baar!