Pflege

Veröffentlicht am 11.07.2018 in Soziales

Hier kann man sich anschauen, wie es woanders laufen könnte 

 

Von Dr. Thomas Hartung

 

In der parlamentarischen Sommmerpause macht das Parlament Pause, also haben wir Abgeordneten mehr Zeit, zu sehen, was das richtige Leben macht. Meine Fraktionskollegen und ich vom Arbeitskreis Soziales sind in diesen Wochen auf Sommertour zum Thema Gesundheit. Gestern haben Diana Lehmann und ich das Diakonie-Senioren-Pflegeheim „Friedrich-Zimmer-Haus“ in der Weimarer Rosenthal-Straße besucht. In der sehr wohnlichen Atmosphäre der Jugendstil-Villa leben 38 Menschen in vier Wohngemeinschaften, das Haus hat sich auf die Betreuung und Pflege von Menschen mit einer Demenz spezialisiert.

 

Die qualitativen Unterschiede zu anderen Heimen, die ich, wie dieses auch, regelmäßig während meiner Dienste als Bereitschaftsarzt besuche und gut kenne, fallen sofort ins Auge. Betreuungsschlüssel und Fachkräftequote werden immer eingehalten, erklärt uns Einrichtungsleiter Thomas Börner, die Pflegerinnen und Pfleger werden möglichst selbst ausgebildet und nicht einfach auf dem Arbeitsmarkt gesucht. Noch wichtiger: Die Angehörigen der Bewohner werden stark in den Alltag eingebunden. Sie werden eingeladen, mitzumachen, um familiäre Geborgenheit zu schaffen. Unbezahlbar.

 

Geld ist wohl das entscheidende Thema beim Pflegenotstand, den wir in Deutschland erleben. Darum ging es natürlich auch, als wir politisch wurden bei unserem Gespräch mit dem Heimleiter Herrn Börner, Bernd Lindig von der Diakonie Thüringen, Praxisanleiterin Nadine Schumann, sowie Frau Stellwag und Herrn Dr. Bischof vom Angehörigen-Beirat. Mit Pflegegrad 3 werden die Kosten für die Pflege dementer Senioren nicht angemessen veranschlagt. Die niedrigen Gehälter in Thüringen lassen Pflegekräfte in andere Bundesländer abwandern, in denen deutlich mehr bezahlt wird. Wussten Sie, dass täglich 2.000 Pfleger aus Thüringen nach dem Westen auspendeln? Auch innerhalb Thüringens verlieren die Heime ihre Mitarbeiter, zum Beispiel an die Krankenhäuser, weil die Pfleger dort etwa 1.000 Euro Brutto mehr nach Hause bringen.

 

Hier muss, und das bitte nicht als Politiker-Floskel missverstehen, in den nächsten zwei Jahren der Schalter umgelegt werden, sonst ist der Zug in der Pflege abgefahren. Mehr und mehr Heime müssten schließen, mit weitreichenden Konsequenzen für die zu Pflegenden und ihre Angehörigen.

 

Zurück zum Friedrich-Zimmer-Heim in Weimar. Es fehlt nicht nur am Geld in der Pflege, es braucht Herz, damit es unseren Leuten gut geht, wenn Sie in einem Altenheim leben. Das ist das Konzept in der Rosenthal-Straße. Die Mitarbeiter des Heimes wollen, dass die Angehörigen mitmachen und binden sie ein. Die Räumlichkeiten sind bewusst gemütlich, nicht steril gehalten; Vor der Tür haben Bewohner, Angehörige, Mitarbeiter und eine extra angeheuerte Gartentherapeutin einen wunderschönen möblierten Garten angelegt. Der mit seinen Hochbeeten, beschrifteten Schildern und vielen, kleinen Gimmicks eigentlich ein Abenteuer-Spielplatz ist. Nicht nur für die Bewohner, sondern auch für eine schwarz-weiße Katze, die auch gestern vorbeigekommen ist, wie jeden Tag.

 

Das alles ist wie gesagt Konzept. Das meine ich mit: Hier kann man sich anschauen, wie es woanders laufen könnte. Frau Stellwag vom Angehörigen-Beirat hat gelächelt, als sie gesagt hat: „Als Angehörige kann man in der Nähe bleiben bei seinen Lieben. Da bin ich glücklich.“

 

(Foto Denny Möller, SPD-Landtagsfraktion)