Blamage

Veröffentlicht am 19.01.2018 in Gesundheit

Das Sondierungspapier zur Großen Koalition hat im Bereich der Pflege wenig mehr als einen Tropfen auf den heißen Stein zu bieten. Mit Gerlinde Sommer von der Thüringischen Landeszeitung habe ich darüber gesprochen, was sich aus meiner Sicht ändern muss. (Aus der Ausgabe der TLZ vom 19. Januar)

Massiver Einsatz gegen Pflegenotstand in Thüringen nötig

 

Verbandschef und SPD-Politiker sehen Handlungsbedarf bei möglichen Koalitionären.
Weimar/Berlin. In der Pflege müssen sofort mindestens 100.000 neue Stellen geschaffen werden. Gleichzeitig sollen die Gehälter der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter in der Pflege umgehend um zehn Prozent angehoben werden. Diese Forderungen erhebt Rolf Höfert, Geschäftsführer des Deutschen Pflegeverbandes und Vorstandsvorsitzender des Paritätischen Thüringen. Adressaten sind die künftigen Partner einer möglichen schwarz-roten Regierung.

Sollte es zu Koalitionsverhandlungen kommen, müsste der Pflegenotstand eine entscheidende Rolle spielen, so Höfert. „Die bisher vorliegenden Ergebnisse der Sondierungen sind in Sachen Pflege eine Blamage“, so der Pflege-Experte.

 

Massiven Nachsteuerungsbedarf sieht in diesem Bereich auch der Weimarer SPD-Landtagsabgeordnete Thomas Hartung, der sich als Gesundheitspolitiker und Arzt intensiv mit dem Thema befasst: „Bei der Finanzierung in der Pflege wird gar nichts verbessert“, sagt er im TLZ-Gespräch. Er befürchtet eine deutliche Erhöhung der Sozialkosten in den Kommunen.

 

Bei den Sondierungen seien 8000 zusätzliche Stellen in der Behandlungspflege vereinbart worden, sagen beide. Das sei aber nicht mehr als ein Tropfen auf den heißen Stein, so Höfert. Hartung findet es „peinlich“, einen derart niedrigen Wert ins ein solches Papier zu schreiben. Höfert betont: „Die Anforderungen an die Pflege steigen quantitativ und qualitativ. Es fehlen aber die notwendigen Rahmenbedingungen, die von der Politik geschaffen werden müssen.“ Von einer spürbaren Entlastung könne keine Rede sein, so der Pflege-Experte. Deshalb müsse in möglichen Koalitionsverhandlungen kräftig nachgebessert werden.

 

Gerlinde Sommer / 19.01.18

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